Linke, SPD und Grüne wollten Bodo Ramelow wie ursprünglich geplant zum Ministerpräsidenten wählen. Wie bei der Wahl am 5. Februar 2020 hätten sie dafür vier zusätzliche Stimmen von CDU oder FDP benötigt. Alexander Gauland, Fraktionschef der AfD im Bundestag, empfahl der Thüringer AfD-Fraktion, Ramelow bei einer anstehenden Wahl zu wählen, um ihn “sicher zu verhindern – weil er dann auch das Amt nicht annehmen darf”. Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag, Torben Braga, widersprach diesem Vorschlag und erklärte, die AfD habe Kemmerich aus inhaltlichen Gründen gewählt, nicht nur, um Ramelow zu verhindern. Die Fraktion der Linkspartei im Landtag lehnte eine Kandidatur Ramelows ab, wenn es kein festes Versprechen von CDU und FDP gebe, die Kandidatur mit den notwendigen Stimmen zu unterstützen. [130] Ein Treffen zwischen Ramelow und Mohring am 12. Januar 2020 brachte keine neuen Erkenntnisse darüber, wie und ob die parlamentarische Opposition Ramelow unterstützen konnte, ebenso wenig wie ein Treffen von Politikern aller Landtagsfraktionen mit Ausnahme der AfD am 13. Januar 2020. [12] Am 17. Februar 2020 trafen sich erstmals Vertreter von Linken, SPD, Grünen und CDU zu Verhandlungen, um eine gemeinsame Lösung zu finden, um die “beginnende Staatskrise” abzuwenden (Ramelow-Zitat).

[136] Sowohl im ersten als auch im zweiten Wahlgang am 4. März 2020 erhielt Bodo Ramelow 42 Stimmen, die von den Fraktionen von Linken, SPD und Grünen hätten kommen sollen. Björn Höcke erhielt 22 Stimmen, was der parlamentarischen Stärke der AfD entsprach. Die jeweils 21 Enthaltungen waren der CDU-Fraktion zuzuschreiben. Die FDP war bei der Wahl anwesend, hat aber nicht gewählt. Die Thüringer CDU zeigte sich nach der Landtagswahl 2019 intern uneins. Während zwei Landtagsabgeordnete und einige Kommunalpolitiker eine Annäherung an die AfD vorschlugen,[8][9] sprachen sich andere für Gespräche mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow aus. Dazu gehörte Mike Mohring, der Landesvorsitzende der CDU in Thüringen.

Ende Oktober besuchte er die Bundesvorsitzende der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, mit der Absicht, sich anschließend mit Ramelow zu treffen. Sie erinnerte daran, dass die CDU weiterhin die “Unvereinbarkeit der Zusammenarbeit mit der Linkspartei” betrachte und Mohrings Kontakt zu Ramelow nur eine “parlamentarische Selbstverständlichkeit” sei. [10] Das Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WSI) der Stiftung bewertete Ausbildungsvergütungen in 20 Tarifsektoren. Nur in vier Filialen erhielten Lehrlinge im ersten Jahr weniger als 700 Euro: in der Landwirtschaft, im Bäckerhandwerk, in der Floristik und im Friseurhandwerk. Blumenläden in Ostdeutschland zahlen Auszubildenden im ersten Jahr 435 Euro im Monat, Friseure in Thüringen sogar nur 325 Euro. Sie liegen deutlich unter dem seit dem 1. Januar in Kraft getretenen gesetzlichen Mindestausbildungsgeld von 515 Euro pro Monat. Die Tarifvertragsparteien können diese Grenze unterschreiten. Am 6.

Februar 2020, einen Tag nach der Wahl, reiste Christian Lindner nach Thüringen, um Thomas Kemmerich zum Rücktritt zu bewegen, was er auch an die Fortführung seines eigenen Amtes als Parteivorsitzender knüpfte. Daraufhin kündigte Thomas Kemmerich am selben Tag auf einer Pressekonferenz seinen Rücktritt an. [99] Die FDP-Fraktion kündigte an, einen Antrag zur Auflösung des Parlaments nach Artikel 50 der Landesverfassung zu unterstützen. Sollte dieser Antrag scheitern, kündigte Kemmerich eine Vertrauensabstimmung nach Artikel 74 der Thüringer Landesverfassung an, die den Weg für Neuwahlen freigemacht hätte. Sowohl mit dieser Vereinbarung als auch mit Kemmerichs Wahl zuvor, die eine Kooperation mit der AfD war, verstößt die CDU Thüringen gegen einen Unvereinbarkeitsbeschluss der Bundespartei, der jede Zusammenarbeit mit Linken und AfD ausschließt.

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